Meereswissenschaftliche Berichte No 25 1997 - Marine Science Reports No 25 1997
http://doi.io-warnemuende.de/10.12754/msr-1997-0025
doi:10.12754/msr-1997-0025
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Neue Forschungslandschaften und Perspektiven der Meeresforschung: Reden und Vorträge zum Festakt und Symposium am 3. März 1997

Bodungen, Bodo von; Hentzsch, Barbara

Abstract. Das Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) wurde 1997 fünf Jahre alt. Der heute erreichte Stand der Forschung im IOW basiert auf einer gelungenen Vermischung der wissenschaftlichen Erfahrungen der Vorgängereinrichtung, dem Institut für Meereskunde Warnemünde (IfMW), mit den Kenntnissen überwiegend jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der Universität Rostock und aus den westlichen Bundesländern. Das Personal des IfMW brachte eine hervorragende Expertise in theoretischen Studien, in der engen Verflechtung mariner Grundlagenforschung mit Überwachungsaufgaben in der Ostsee, in der Beurteilung der wechselnden ökologischen Zustände dieses Seegebietes und in der Entwicklung und Applikation von Meeresmeßtechnik ein, während die "Neuen" neben ihrer Erfahrung im Einsatz modernster meereskundlicher Methoden vor allem zur schnellen Erweiterung der Forschungsfelder beigetragen haben. Unter personeller Erweiterung, insbesondere der chemischen und biologischen Arbeitsgruppen, entstanden die 4 Sektionen Physikalische Ozeanographie, Meereschemie, Biologische Meereskunde und Marine Geologie, deren Größe und Ausstattung eine große Tiefe der fachspezifischen Expertise bei gleichzeitiger Fokussierung aller Fachsektionen auf die marine Ökosystemanalyse gewährleistet. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates und die Arbeit des Gründungskomitees zur Einrichtung eines Institutes mit der Aufgabe, interdisziplinäre marine Grundlagenforschung mit besonderer Hinwendung zur Ostsee zu betreiben, haben die Profilbildung des IOW in der nationalen und internationalen Forschungslandschaft sowie in der Lehre an den Universitäten Rostock und Greifswald richtungsweisend bestimmt. Das zentrale Untersuchungsgebiet ist die Ostsee, deren hochvariable Umweltbedingungen und Größe die exemplarische Untersuchung der Funktionsweise eines marinen Ökosystems in idealer Weise ermöglichen. Das Forschungsprogramm, das sich das IOW in inhaltlicher Verbindung zu nationalen und internationalen Programmen gestellt hat, ist dementsprechend auf ein Hauptziel zugeschnitten: das Ökosystem Ostsee als Ganzes zu erfassen, die räumlich/zeitlichen Veränderungen und Schwankungen zu verstehen und mit Hilfe von gekoppelten Modellen nachzubilden. Dabei werden grundlegende Erkenntnisse zur Funktionsweise der marinen Ökosysteme in Küsten- und Randmeeren sowie zu marinen Prozeßabläufen generell gewonnen. Eng eingebettet in die Forschungsaktivitäten des IOW sind die Arbeiten zur Überwachung der Meeresumwelt der Ostsee, das sogenannte HELCOM-Monitoring. Diese Verknüpfung hat sich in den letzten fünf Jahren als äußerst glücklich erwiesen. Die Monitoring-Daten stellen eine wichtige Grundlage für Langzeitanalysen dar. Sie weisen häufig auf nicht zufriedenstellend gelöste und/oder im Gegensatz zur Lehrbuchmeinung stehende Phänomene hin, während die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung der besseren Interpretation der Monitoring-Ergebnisse, insbesondere bei der Erstellung der Zustandseinschätzungen, dienen. Diese Verbindung wird unterstützt durch moderne Meßtechnik zur Entwicklung neuer Strategien für effizientere Umweltüberwachung und zur Erzeugung von hochauflösenden Datenströmen für die notwendigen Modellvalidationen. Diese Kombination und die Fokussierung auf die Systemanalyse ermöglichten es dem IOW frühzeitig, auf die nationale und internationale Ostseeforschung planend und koordinierend einzuwirken. In Zukunft soll die intensive Befassung mit der Ostsee im Institut die Kompetenz in der Küsten und Randmeerforschung allgemein vertiefen und zu generellen Forschungsansätzen und Problemlösungen führen. Dabei wird das Institut die begonnene Kooperation mit Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaften weiterentwickeln, um an den wissenschaftlichen Grundlagen für ein nachhaltiges Küstenzonen-Management mitzuarbeiten. Das IOW sieht seine Entwicklung in den nächsten Jahren auch im weiteren Aufbau zum deutschen Leitinstitut für die Erforschung und die wissenschaftliche Überwachung der Ostsee. Die zunehmende politische Integration der Ostseeanlieger unter dem Dach der EU und die prognostizierte stürmische wirtschaftliche Entwicklung erfordern ein gemeinsames Management, das wissenschaftlich begleitet werden muß. Hierzu will das IOW einen wesentlichen Beitrag leisten und als deutscher Partner für die nationalen Meeresforschungsinstitute der übrigen Anrainerstaaten fungieren. Insbesondere wird das IOW die Beziehungen zu Polen, den Baltischen Staaten und Rußland weiter vertiefen und sowohl in der Forschung als auch in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses seine Vermittlerrolle zwischen Ost- und Westeuropa intensivieren. In diesem Zusammenhang sieht das IOW auch eine Aufgabe darin, im Rahmen von Lehr- und Forschungsprogrammen in Entwicklungs- und Schwellenländern fördernd mitzuwirken. Am 3. März 1997, zum 5. Geburtstag des Institutes für Ostseeforschung Warnemünde, kamen die Hauptakteure der Neugründung nocheinmal zusammen. Hochrangige Vertreter der Zuwendungsgeber, des Wissenschaftsrates, der Universitäten, des Gründungskomitees und befreundeter Institute hielten gemeinsam mit dem scheidenden und dem neuen Direktor des IOW Rückschau auf die Aufbaujahre und die politischen Bedingungen unter denen sie standen. In einem anschließenden Festkolloquium zeichneten Meeresforscher aller Fachdisziplinen ihr Bild von neuen Strömungen in der Meeresforschung und zukünftigen Forschungsschwerpunkten. An dieser Stelle möchte sich das IOW sehr herzlich bei allen Rednern und Gästen für die Mitgestaltung dieses Tages bedanken. Der vorliegende Band faßt die Vorträge für eine breitere Öffentlichkeit noch einmal zusammen.

Citation

Bodo von Bodungen, Barbara Hentzsch (Herausgeber): Neue Forschungslandschaften und Perspektiven der Meeresforschung: Reden und Vorträge zum Festakt und Symposium am 3. März 1997. Meereswiss. Ber., Warnemünde, 25 (1997), doi:10.12754/msr-1997-0025

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