Meereswissenschaftliche Berichte No 28 1998 - Marine Science Reports No 28 1998
http://doi.io-warnemuende.de/10.12754/msr-1998-0028
doi:10.12754/msr-1998-0028
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Das Oderhaff - Beiträge zur Rekonstruktion der holozänen geologischen Entwicklung und anthropogenen Beeinflussung des Oder-Ästuars

Leipe, Thomas; Eidam, Jürgen; Lampe, Reinhard; Meyer, Hinrich; Neumann, Thomas; Osadczuk, Andrzej; Janke, Wolfgang; Puff, Thomas; Blanz, Thomas; Gingele, Franz Xaver; Dannenberger, Dirk; Witt, Gesine

Abstract. The beginning of the nineties saw a remarkable boom of scientific exploration of the Oderhaff area. The political and economical changes in middle and eastern Europe led to a general increase of interest in this region. Especially the co-operation of German and Polish scientists was intensified during this time. Now, after a few years of work in the frame of several national and international projects, a number of new and interesting results are available. Only some few aspects have been published in different scientific journals already. With the present monograph, we intend to give an overwiew of the geosciences progress and state-of-the-art in the investigation of this area. The Oderhaff is a shallow lagoon-like basin that acts as a buffer between the Oder river discharge and the open Baltic Sea waters. Thus, the Oderhaff may be considered a model region to study physical, geological, geochemical, and ecological processes in the land-sea interaction zone. Besides the investigation of the Holocene geological development of the basin, we devoted special attention to the reconstruction and documentation of anthropegenic influences on the sedimentary deposits. The presentation includes information about effects of eutrophication on sediment quality and the degree of contamination with heavy metals and organic pollutants. Using mass balance calculations we determined an average residence time of heavy metals and organic contaminants of only 10 to 20 years in the Oderhaff. This implies, that the predominant amount of those substances already passed the lagoon into the open Baltic Sea since the beginning of anthropogenic pollution in the last century. Because of continuous sedimentation in the past, the lagoon became more and more shallow. On the other hand, eutrophication caused an increase in sediment mobility because of the large amounts of deposited planktonic organic material and the decrease of the benthic macrophyto- and macrofauna- communities. At present time, the entire basin is characterized by intensive resuspension of the surface sediment layer (soft and fluffy material) during times of enhanced wind speed and wave action on the seafloor. This leads to an increase of material export by suspended matter transport to the sea.

Abstract. Mit Beginn der neunziger Jahre erlebte die naturwissenschaftliche Erforschung des Oderhaffs einen bedeutenden Aufschwung. Das Interesse an dieser Region war durch die veränderten politischen und ökonomischen Verhältnisse in Mittel- und Osteuropa beträchtlich gestiegen. Insbesondere die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen konnte dadurch intensiviert werden. Inzwischen liegen zahlreiche neue und interessante Ergebnisse vor, die im Rahmen von verschiedenen nationalen und internationalen Forschungsprojekten erzielt werden konnten. Mit der vorliegenden monographischen Zusammenstellung soll insbesondere der geowissenschaftliche Erkenntnisfortschritt für diese Region dokumentiert werden. Das lagunenartige Becken des Oderhaffs ist die Pufferzone zwischen Flußeintrag der Oder von Süden und Wasseraustausch mit der vorgelagerten Ostsee im Norden. Damit kann das Haff als Modellregion zum Studium der physikalischen, geologischen, geochemischen und ökologischen Prozesse im Übergangsbereich Land-Meer betrachtet werden. Neben der Darstellung der holozänen geologischen Entwicklung des Gebietes ist der Rekonstruktion anthropogener Einflüsse besondere Aufmerksamkeit gewidmet worden. Die Arbeit enthält Informationen über Auswirkungen der Eutrophierung auf die Sedimente und den Grad der anthropogen bedingten Kontamination der Sedimente mit Schwermetallen und organischen Schadstoffen. Durch Massenbilanzen von Sedimentmaterial, organischen Schadstoffen und Schwermetallen im Verhältnis zum Eintrag durch die Oder konnte gezeigt werden, daß die theoretische Pufferwirkung des Haffs im Mittel auf 10-20 Jahre begrenzt ist. Das heißt, daß die in das Oderhaff eingetragenen partikulären Schadstoffe, abgesehen von einem gewissen Anteil, der auf direktem Wege das Gebiet passiert, im Haff sedimentieren, resuspendieren und mit dem Ausstrom innerhalb von 10 bis 20 Jahren das Gebiet in Richtung Ostsee verlassen. Die fortgeschrittene Verflachung des Gewässers, der starke Rückgang benthischer Makroorganismen und der durch die Eutrophierung geförderte mobile Charakter des weichen Schlicks sind Ursachen, die zu einer Zunahme der Resupension und damit zum Materialexport führen. Es ist liegt daher die Vermutung nahe, daß das Haff und auch ählich beschaffene andere Küstengewässer in zunehmendem Maße als Quellen fur den Eintrag partikulären Materials in die Ostsee in Erscheinung treten.

Citation

Wolfgang Matthäus, Günther Nausch, Hans Ulrich Lass, Klaus Nagel und Herbert Siegel: Hydrographisch-chemische Zustandseinschätzung der Ostsee 1997. Meereswiss. Ber., Warnemünde, 29 (1998), doi:10.12754/msr-1998-0029

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